LAURA MARLING
Semper Femina

More Alarming / Rough Trade – VÖ 10.03.2017
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Zuletzt aktualisiert am: 09. März 2017

„Semper Femina“ umspült die Seele mit einer berauschenden, tröstenden Wärme. Inmitten des weltlichen Durcheinanders ermutigt das Album zu einer Verschnaufpause. Vielleicht vermag es sogar, alte Wunden zu heilen.

Der Opener „Soothing“, der bereits vor einiger Zeit als Single veröffentlicht wurde, ist zweifelsohne das Highlight dieser Platte, doch danach geht es keinesfalls bergab. In „Wild Fire“ etwa beweist LAURA MARLING anstrengungslos ihre souligen Qualitäten. Der liebliche, mehrstimmige Chorus endet in einem genüsslichen Summen. Man hört immer gern zu, wenn LAURA ihre Geschichten halb gesungen, halb gesprochen ins Mikro säuselt.

Der Song „Don´t Pass Me By“ wird dominiert von seinem trottenden Lo-Fi-Beat und den fast resigniert schwingenden Saiten einer alten Gitarre. Darin schwingt das unverwechselbare Flair der 60er-Jahre mit, das derzeit auch die ARCTIC MONKEYS so gekonnt emulieren. Allerdings verfeinert LAURA diesen Song mit einer dunklen Schwere, der man sich kaum entziehen kann.

Besonders aufregend ist die abwechslungsreiche Rhythmik auf „Semper Femina“. Während LAURA sich auf „Once I Was An Eagle“ und „Short Movie“ noch größtenteils auf Stimme und Gitarre verließ, sind die Arrangements diesmal vielschichtiger, ohne aber überladen oder künstlich zu wirken. Streicher, Drums und vor allem der warme Bass umspielen die gezupfte Gitarre einfach wunderbar und bilden das Bett für die nunmehr gut gereifte Stimme.

Wer die Karriere dieser brillanten Künstlerin bereits seit ihren Anfängen bei NOAH AND THE WHALE miterleben durfte, hat sie vom unscheinbaren Backgroundstimmchen hin zu einer der gänsehauterregendsten Sängerinnen der Gegenwart wachsen sehen – so wie eine Mutter, die ihre Tochter betrachtet und sich wehmütig und doch voller Stolz fragt, wo nur die Zeit geblieben ist. Legt man heute, nach sechs Alben und fast zehn Jahren mal wieder das Debüt „Alas, I Cannot Swim“ ein, wird einem die bemerkenswerte Entwicklung von LAURA MARLING erst klar.

Und bei alledem, fast nebenbei, repräsentiert LAURA MARLING feministische Ideale. Ganz ohne Zynismus, unaufgeregt, selbstbewusst. Chapeau.

pd
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