BAND: MOTÖRHEAD
ALBUM:

LABEL: UDR - VÖ: 18.10.2013)
*
Zuletzt aktualisiert am: 10. Dezember 2013

In diesem Jahr gab es beim „Wacken“-Fest nur zwei richtig große Momente, die noch lange in den Gedärmen und Köpfen der Besucher nachwirken werden. Gleich am Donnerstag vereinigten sich Blut, Feuer und Dummheit auf das Schönste, denn RAMMSTEIN standen gemeinsam mit Heino auf der überdimensionalen Bühne und jodelten ihre harte volkstümliche Musik frisch und frei in den Abend. Dann gab es noch den sehr kurzen Auftritt von MOTÖRHEAD. Lemmy, als Sänger der Krachkapelle und hässlicher Vogel in der ganzen Welt bestens bekannt, gab endlich mal seinem Arzt recht, hörte außerdem auf seinen kranken Körper und stapfte ziemlich kaputt nach einigen Songs von der Bühne. Es hätte auch sein letzter Auftritt werden können. 

Dass es nicht an dem ist, beweist er gemeinsam mit seinen Spielkameraden Mikkey Dee und Phil Campbell, indem sie ein neues Album über die Menschheit kommen lassen und sogar eine vollständige und längere Tour ankündigen. Das Album „Aftershock“ hat Live-Präsenz und einen guten Platz in den Hitparaden wahrlich verdient, denn es ist bereits das 21.Studioalbum und wahrlich gut gelungen. Ok, die Musiker selbst bezeichnen es als ihr wohl bestes Werk. Lemmy rotzt dann noch schnell und vergnügt ins Mikro des geplätteten Journalisten: ‚Klau es wenn du musst, aber besser ist, du kaufst das Album‘. Der Mann mit der krächzenden, bullernden Stimme lebt sein Leben schon immer anders als der Rest dieser erbärmlichen Welt. 

1975 bekam er Probleme mit seinen musikalischen Mitstreitern, als ihn die Polizei an der kanadischen Grenze mit geringen Mengen Drogen ertappte. Man schmiss ihn deswegen aus der Combo HAWKIND. Und ich dachte immer, so etwas gehört zum Rock’n‘Roll (Weil: Sex, Drugs and Rock’n‘Roll). Ian Kilmister, so Lemmy mit bürgerlichem Namen, nahm seine letzte Komposition „Motörhead“ mit, ließ sich von ihr den Weg weisen und die nun schon seit 38 Jahren existierende Band gleichen Namens gründen. Nach dem rohen „Bomber“-Album geht man gemeinsam mit SAXON auf Tournee und bereitete schon mal den Urknall „Ace Of Spades“ vor, der 1980 wie ein doppelt geschmiedeter Hammer auf die Köpfe der Heavy-Gemeinde knallt. Lemmys schwere Röhre und seine einmalig-prägnante Basstätigkeit verbinden sich auf geniale Weise mit schnellen Gitarren und wunderbaren Kompositionen, die vom ersten bis zum letzten Lied geliebt werden. Das im Jahre 1981 folgende Live-Werk „No Sleep ´til Hammersmith“ landet in England deshalb gleich auf dem ersten Platz und macht MOTÖRHEAD zur erfolgreichsten Band des Inselstaates. Nach vielen folgenden Auf und Abs, langem juristischen Hickhack mit Manager Douglas Smith, dem unausgegorenen „March Ör Die“-Album, Krankheiten und Musikerwechsel, steht Lemmy nun über den Dingen und kann trotz biblischen Alters der Combo behaupten, dass er mit ihr ein wichtiges Standbein des Rock’n‘Roll geschaffen hat. 

Nun gibt es 14 eindrucksvolle Songs, die voller jugendlicher Frische (ja, doch!) sind und alles besitzen, was der Fan schon immer von MOTÖRHEAD hören wollte: Schmutz, Blues und donnernde Gitarren. Da gibt es das „Queen Of The Damned“, das Mikkey Dee mit einem bollernden Solo zum Höhepunkt treibt, den überbordenden und elektrisierenden Trip „Going To Mexico“ und die lustige Blues-Ballade „Drust And Glass“, die an eine dunkle Kneipe mit Barbetrieb erinnert. Das Trio präsentiert den Fans einen Strauß bunter Melodien, der fasziniert und vom Alter der drei Metal-Ritter sehr gut ablenkt.  Da Lemmy leider doch nicht fit genug für die Tour mit SAXON war, musste diese nun auf Anfang 2014 verschoben werden. Drücken wir Lemmy die Daumen, dass er dann gestärkt ins Mikro knarzen kann.

ThoBe
 Zurück