LIFGrandiose

Indie-Debütanten

München Kranhalle, 17.09.2015. Die britischen Newcomer LIFE IN FILM legten dieses Jahr mit ihrem Debütalbum "Here It Comes" einen gelungenen Blitzstart hin – diese Jungs schreiben nicht einfach nur packende Indierock-Songs, sondern kleine Soundtracks für ein erfülltes Leben mitsamt allen Höhen und Tiefen. Ein bisschen bluesig, ein wenig verträumt aber stets energetisch geht die Band zu Werke. An diesem Abend gaben sie ihr erstes Konzert in München.

rivalbidZur Unterstützung spielte eine weitere jungblütige Truppe auf: Die Dortmunder von THE RIVAL BID hatten bereits ihr zweites Album namens "Night Remains" am Start. Die melancholisch-dynamischen Riffs werden von Uptempo-Beats getrieben und von breitem Hall umhüllt. Mit diesen Klangwelten liegen THE RIVAL BID näher am britischen Indie-Stil als am typisch deutschen. Sänger Maurice Margraf trug seine Stücke stets gefühlvoll vor, die klare Kopfstimme dominierte. Beim ersten Track war die Snaredrum noch viel zu laut, doch der Techniker in der Kranhalle reagierte absolut professionell und justierte den Sound nach.

Die durchaus tanzbaren Singles „Fire!“ und „Michael“ kamen gut an, vereinzelt wurde getanzt. Jedoch sprang der letzte Funke nicht über. Insgesamt war der Auftritt von THE RIVAL BID zwar unterhaltsam, aber etwas eintönig, denn die Arrangements ähnelten sich in Tempo und Aufbau oft und kamen erst spät in die Gänge. Es fehlten die Highlights, die Spitzen. Trotz des soliden Gigs mangelte es dem Quartett außerdem ein wenig an Spielfreude, zumal sich die rockigeren Passagen in den Songs bestens für mehr Bewegung auf der Bühne geeignet hätten. Die Jungs wirkten beinahe schüchtern.

LIFE IN FILM schlugen sich insgesamt wesentlich besser. Allein das Erscheinungsbild der Musiker war herrlich. Der muskulöse, tätowierte Bassist Dominic Sennett trug ein weißes Shirt, schwarze Hochwasserhosen und klobige Schuhe. Gepaart mit seinem wuscheligen blonden Topfschnitt wirkte er wie ein britischer Rugbyspieler, der mit der Band seine künstlerische Seite ausleben möchte. Gitarrist Edward Ibbotson hingegen sah mit seinen gegelten Haaren und der retro-spießigen Klamotte aus wie ein wild gewordener Oberlehrer.

Diese Äußerlichkeiten wurden schnell zur Nebensache, als der erste Song „Set It Off“ erklang – für den Gig der perfekte Opener. Auch die genialen Singles „Carla“ und „Get Closer“ folgten recht bald. Die sympathischen Jungs mussten auf ihren Drummer verzichten, der krank zu Hause in London blieb. Stattdessen sprang der Tourmanager ein, der ebenfalls verdammt gut war und jede Menge Applaus erntete. Zu viel, fand Dominic: „So gut ist er nun auch wieder nicht!“. Später witzelte Sänger Samuel Fry, sie hätten den Bassisten feuern müssen, weil er noch schnell auf Toilette musste. Mit solchen komischen Einlagen bewies die Band, dass sie sich auf der Bühne einfach wohl fühlt.

Die Musiker waren bestens aufeinander abgestimmt und spielten sämtliche Songs mit Leichtigkeit herunter. Edward schwang seinen linken Arm an der Gitarre wie verrückt im Kreis, sobald flotte Passagen anstanden. Samuels einzigartige Stimme durchdrang den Raum. Auch die leise, langsame Nummer „Anna, Please Don´t Go“ trugen LIFE IN FILM äußerst gefühlvoll vor. Das Publikum würdigte diese rührende Stimmung mit absoluter Stille. Niemand quatschte hinein – das ist bei einer Newcomer-Band äußerst selten.

Bis zum Schluss hob die Truppe sich „Alleyway“ auf. Der Opener von „Here It Comes“ preschte hier als Zugabe mit einem tanzbar-wuchtigen Riffing los und stampfte sich Strophe für Strophe durch die Herzen des Publikums. Das einzige Manko: Die Band war mit nur einem Album im Ärmel viel zu schnell fertig. Neben den Tracks vom Debüt präsentierten sie zwei ältere sowie einen brandneuen, der vielversprechend fetzig war und die Vorfreude auf das Nachfolgewerk steigerte. Auf der Bühne sowie aus der Dose sind LIFE IN FILM dennoch ein vielversprechender, empfehlenswerter Geheimtipp.

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