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Review der Woche: CANDY OPERA – The Patron Saint Of Heartache
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Candy CoverDie unglaubliche Geschichte einer Spätzündung

Diese Band lässt mich immer an einen Artikel denken, in dem es darum ging, inwieweit Können über den Erfolg entscheidet und welche anderen Faktoren eine Rolle spielen. Es wurde gut beschrieben, dass bei Fußballspielern in der Jugend Köpergröße relevanter ist als technisches Können, aber eben auch, dass in der Musikbranche Timing und Beziehungen oft wichtiger sind als Talent. Wer hierfür tatsächlich noch einen Beleg braucht, muss sich nur diese Band anhören. Ihr erstes Album haben sie 2018, 35 Jahre nach ihrer Gründung herausgebracht! Und es ist so etwas wie die Zusammenfassung einer verpassten Chance geworden, da die Band aus verschiedensten Gründen eben seinerzeit nie ein Album veröffentlicht hat. Dass dies 2018 anders wurde, hatten sie Uwe Weigmann vom Berliner Label Firestation Records zu verdanken, der, nachdem er die Geschichte der Band hörte, zuerst neugierig wurde und sich dann in ihre Musik verliebte. Ihr erstes Album „45 Revulotions Per Minute“ liefert – zumindest für jeden der die 80er kennt und mag - unmittelbar zwei Dinge: Zum einen ein wohliges Gefühl von Vertrautheit, denn viele der Songs klingen als würde man Sie schon ewig kennen und nach langer Zeit wieder hören. Zum anderen zeitlose und großartige Popmusik. Oder wie es Matt Meat im „Louder Than War“ beschrieben hat: „Oberflächlich klingen die Arrangements einfach, aber es gibt in Malones (Anm.: Sänger der Band) Liedtexten auch eine in eineCandy Bandfoto Süße gehüllte Tiefe, die an ein unschuldigeres Zeitalter erinnert“. Beim Hören ihrer Musik kommen einem, kennt man die Musik dieser Zeit, immer wieder Namen von Bands aus den 80ern in Kopf. Neben offensichtlichen Vergleichen zu AZTEC CAMERA (auch eher unterbewertet) und PREFAB SPROUT kommen mir bei einigen Liedern auch kurz Namen wie THE THE oder sogar INXS in den Sinn, die vielleicht bekannter sein sollten.

Eigentlich ist die Tatsache, dass die Band nun auch noch ein zweites Album veröffentlicht schon eine wundervolle Geschichte. Doch auch die Musik setzt klanglich nahtlos an dem vergangenem Album an und führt die Geschichte im besten Sinne fort. Es startet mit einem vorwärtstreibenden Popsong „These Days Are Ours“ gefolgt von einer ruhigeren Nummer „Tell Me When The Lights Turn Green“. Im weiteren Verlauf halten sich ruhige und eher dynamische Nummern weiterhin die Waage. Ihre Musik strahlt dabei immer etwas Wohliges, Beruhigendes aus. In ihre Stücke lassen CANDY OPERA ab und an kleine Dosen von Folk, Rockabilly, Gospel oder Soul einfließen, aber auch mal eine Mariachi-Trompete und Kastagnetten. All dies ist dabei nicht aufdringlich, sondern verschmilzt immer mit dem Sound der Band. Anspieltipps sind neben dem hier verlinkten Titel „These Days Are Ours“, „Five Senses, Four Seasons“ und „Hashtag Text Delete“.

CANDY OPERA hat mit „The Patron Saint Of Heartache“ mindestens einen ebenbürtigen Nachfolger zu „45 Revulotions Per Minute“ geschaffen. Popmusik wie aus einer besseren, vergangenen Welt!

Bleibt zu hoffen, dass die Band mit ihrer Musik vielleicht zumindest einen Bruchteil der Anerkennung erfährt, die sie meiner Meinung nach verdient. Wer sich dafür begeistern kann, erhält auf Vinyl 12 großartige Lieder. Digital gibt es sogar noch zwei Bonus Tracks. Daher dürfte ein Erwerb über Bandcamp all jenen angeraten sein, die Vinyl und digital elegant verbinden wollen. Selbstverständlich gibt es das ganze Vergnügen aber in allen bekannten Formaten.

VÖ 20.11.2020

CANDY OPERA - These Days Are Ours


CANCDY OPERA – Time (Live At Studio 2 Liverpool)


Webseite der Band: https://www.candyopera.com

Bandcamp: https://candyopera.bandcamp.com