BARB WIRE DOLLS
Desperate

Motörhead Music / UDR / ADA Warner – VÖ: 22.07.2016
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Zuletzt aktualisiert am: 21. Juli 2016

Mit ihrem internationalen Erfolgsalbum „Slit“ schleuderten die BARB WIRE DOLLS vor vier Jahren einen musikalischen Molotov-Cocktail in die Szene und steckten mit ihren feurigen Punkhymnen alles in Brand. Die Band war das nächste große Ding. Der Sound war einmalig dreckig und echt, geradeaus und wütend. Wie eine gute Revolution eben.

Das lang ersehnte „Desperate“ macht damit Schluss. Irgendwie. Diese Weiterentwicklung mag Hardliner völlig schocken, doch Isis Queen kündigte das bereits vor Jahren an. Nach dem Spurwechsel bewegt sich die Band nicht mehr im Ausraste-Punk, sondern im selbsternannten Genre „Street Rock“. Das heißt: Tempo raus, weniger Schreien, saubererer Sound, mehr Melodien. Das heißt nicht, dass die Platte voller Kuschelrock ist, doch die Motive sind im Vergleich zum Vorgänger deutlich eingängiger geworden. Darum ist „Desperate“ jedoch kein schlechtes Album, im Gegenteil.

Spätestens beim zweiten Track „Surreal“ werden aufgrund des Sounds und des Riffings warme Erinnerungen an NIRVANA wach. Speziell die Strophe erinnert an „In Bloom“. Die Analogie ist recht treffend, denn auch bei Cobain und Co. war der Sound auf dem Vorgänger deutlich rauer und wurde anschließend spürbar verpoppt. Der Gedanke ist nicht abwegig, schließlich masterte Howie Weinberg die Platte. Sicher hatten die BARB WIRE DOLLS diesmal auch mehr als zwei Tage Zeit, ihre Platte einzuspielen, was für fetteren Sound, ein Paar Soli und mächtige Zweitstimmen sorgt. So wird „Desperate“ wie „Nevermind“ hoffentlich auch auf ein ähnlich breites Gehör treffen.

Wie in anderen Genres wurde wohl auch im Punk schon jede Powerchord-Abfolge schon etliche Male in Songs verwendet. Darum hoben sich die BARB WIRE DOLLS schon damals nicht von der Masse ab. Was ihren Erfolg ausmachte, war die einmalige und glaubwürdige Attitüde, teils direkt entsprungen aus der Krise in Griechenland. Kein Pseudo-Punk, sondern ungefilterte Lebenserfahrung gab es auf „Slit“ zu hören. „Desperate“ ist aus genannten Gründen ein gelungenes Album, doch mangelt es ihm leider an diesem unverfälschten Spirit. Wirklich hart schmerzt es, dass Isis Queen ihre brachialen Schreie komplett eingemottet hat – standen diese doch für den kontrollierten Kontrollverlust, die maximale Energie.

Abgesehen von diesen Punkten liefern die BARB WIRE DOLLS nach unzähligen Gigs auf der ganzen Welt dennoch ein kerniges Rockalbum mit vielen einprägsamen Tracks ab. „Desperate“ ist allein wegen der Persönlichkeit Isis Queen wieder ein Erlebnis.

pd
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