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EDITORSDie Wunde scheint zu verheilen

Nach dem letzten, ziemlich durchwachsenen Album „The Weight Of Your Love“, gibt es Neues von den EDITORS. Die gute Nachricht ist, dass „In Dream“ nicht solch teilweise wirklich furchtbare Musik wie sein Vorgänger zumutet. „The Weight Of Your Love“ bot zwar einerseits eine Handvoll großartige dunkel-melancholische Pop-Ohrwürmer, wie „Sugar“ oder „Two Hearted Spider“, ansonsten aber auch ziemlich miese Stadionrock-Grütze, die vermuten ließ, die Herren wollten den traurigen Weg von COLDPLAY, U2 oder SIMPLE MINDS gehen.

Die schlechte Nachricht: Das soundtechnisch wirklich brillant produzierte „In Dream“ bietet zwar nicht derart Grottiges wie sein Vorgänger, andererseits aber auch nicht durchweg packende Songs, wie die beiden Alben vor „The Weight Of Our Love“ und dem Weggang von Gitarrist Chris Urbanowicz. Das filigran-elektronische Intro „No Harm“, mit coolem Sprechgesang, der ins Falsett wechselt und mit sphärischer Atmosphäre, die wie die musikalisch Begleitung zum Schweben wirkt, erzeugt Spannung auf das Folgende. „Ocean Of Night“ kommt danach recht klassisch, rhythmisch und unelektronisch, mit Piano-Intro und Smith‘ typisch klagendem Gesang daher und könnte als ein eher mittelmäßiger Track der ersten beiden Alben durchgehen.

„Forgiveness“ ist dann wieder sehr elektronisch, basslastig und kommt druckvoll daher. „Salvation“ bietet Streicher und wuchtige Beats, die an IMAGINE DRAGONS erinnern und wirkt episch wie ein Filmsoundtrack. „Life Is A fear“ ist für mich DER Song des Albums, mit fettem 80er Synthie-Sound und elektronischem „Leier-Rhythmus“ wirkt das Stück wie ein Bruder des Über-Hits „Papillon“ und haut mich um – großartig. „The Law“ erinnert ziemlich stark an ZOOT WOMAN, fast schon ein wenig „geklaut“, aber gut. „Our Love“ mit Tom Smith im Falsett ist auch sehr 80er-mäßig. Ich wippe dabei mit dem Fuß und denke sofort an BRONSKI BEAT. „All The Kings“ ist moderner „Elektro-Soul“ mit melancholischem Piano-Ausklang. Es folgt das elegisch-sakrale „At All Lost“, das im Intro als Soundtrack zu einem DAVID LYNCH-Film durchgehen könnte. Auch der über siebeneinhalb Minuten lange Schlusstrack „Marching Orders“ hat etwas Sakrales. Er erinnert an VANGELIS. Allerdings ist der Song für meinen Geschmack etwas arg aufgesetzt dramatisch und wird zu lang ausgewalzt.

Fazit: Nach dem letzten, etwas misslungenen Vorgängeralbum haben die EDITORS mit „In Dream“ wieder ein ganz gutes und experimentierfreudiges Album hinbekommen. Hätten Sie sich das zweite Stück „Ocean Of Night“ und den Schlusssong „Marching Orders“ gespart, hätte ich sogar gesagt ein sehr gutes Album. Von ihrer genialen Form auf „An End Has A Start“ und „In This Light And On This Evening“ sind sie allerdings noch einen Weg weit entfernt. Immerhin scheint die Wunde, die der Weggang von Gitarrist Chris Urbanowicz hinterlassen hat, zu verheilen. Ob die Trennung (wegen der berühmten „musikalischen Differenzen“) gänzlich kompensiert werden kann oder nicht vielleicht doch ein Fehler war, wird sicher das nächste EDITORS-Album zeigen.

Play It Again Sam/Rough Trade - VÖ: 02.10.2015