
Berlin: Auf dem dritten Album „Bitches, Butches, Dykes & Divas“ schleudert die Berliner RapperIn SOOKEE mal wieder in sympathischer Weise zahlreiche lila Eisenstangen in die Speichen althergebrachter Denk- und Wahrnehmungsweisen.
Nicht zum ersten Mal berichten wir an dieser Stelle über ein HipHop-Album. Ein kurzer Blick in die Historie des Punkrock zeigt, dass in den USA zu Beginn der 1980er Punk und HipHop-Kultur (oder –Bewegung) eng miteinander verbandelt waren (bezeichnenderweise heißt der zweite Track auf SOOKEEs Album „Zeckenrapsupport“). Wichtig war es, in selbstbestimmter Manier die eigene Leidenschaft auszuleben und nicht das Einrichten in klar abgesteckten musikalischen Landschaften. Zudem hat es den Anschein, dass deutschsprachiger HipHop, zumindest teilweise, gegenwärtig eine interessante Zeit durchmacht. Wie schon berichtet gibt es momentan den Versuch, Impulse in die hiesige Rapszene einzubringen, die die gängigen sexistischen und kapitalismusaffinen Vorstellungen und Werte unterläuft. Auf SOOKES Album sind mit PYRO ONE, CAPTAIN GIPS, BADKAT sowie KOBITO und REFPOLK einige dieser interessanten Acts vertreten. Die Verbindung untereinander ist nicht zu übersehen.

Für diejenigen, die sich bislang noch nicht mit queerer Theorie beschäftigt haben, mag es sein, dass so manches unverständlich klingen kann. Das sollte aber nicht abschrecken – das Album ist keineswegs als verkopft zu bezeichnen und ohnehin sollte doch das Aneignen von (kritischem) Wissen im Punk eine zentrale Konstante darstellen. Ohnehin könnte SOOKEE in gewisser Weise als zeitgemäße WidergängerIn der RiotGrrl-Bewegung gelten, ohne daraus jetzt eine Schublade basteln zu wollen. Neben der expliziten feministischen Stoßrichtung besteht dieses Erbe in der Selbstermächtigungsstrategie, die das Genre des HipHop für SOOKEE bereithält.
Da ich kein Experte in Sachen HipHop bin, kann ich recht wenig zu der Musik sagen. Inwieweit die Beats dem gängigen Repertoire entnommen sind oder diesem zuwiderlaufen und inwiefern Musik und Inhalt gekoppelt sind kann ich nicht beurteilen. Wichtiger erscheint mir ohnehin der Inhalt zu sein und der überzeugt durch seine (Selbst)Kritik an männlichen Herrschaftsverhältnissen und einer punkig anmutenden Attitüde. Sehr sympathisch und sicherlich wert, das mit einem offenen Ohr zu verfolgen und zu unterstützen.
Sookee.de
(Springstoff – VÖ: 2.12.2011)